Jahresbericht der FIU: Anzahl der Verdachtsmeldungen deutlich gestiegen

25. 08 2020

Am 18. August 2020 veröffentlichte die Financial Intelligence Unit (FIU) ihren Jahresbericht 2019. Nachfolgend fassen wir die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Die Financial Intelligence Unit (FIU) ist die nationale Zentrale für Finanztransaktionsuntersuchungen in der Bundesrepublik Deutschland. Wie aus dem Jahresbericht der FIU hervorgeht, hat die Zahl der Verdachtsmeldungen in 2019 massiv zugenommen. Durch den Erhalt von insgesamt 114.914 Verdachtsmeldungen hat sich die Gesamtzahl gegenüber 2018 um fast 37.500 (49%) erhöht. Der Anstieg ist nicht nur auf Finanzinstitute zurückzuführen, sondern auch auf Nichtfinanzinstitute, Behörden und andere verpflichtete Stellen.

Der Großteil der eingegangenen Berichte stammte mit 98% aus dem Finanzsektor, 37.662 mehr als im Jahr 2018, wobei die Kreditinstitute mit 90% der insgesamt eingereichten Meldungen den größten Beitrag leisteten. Andererseits ergab sich aus dem Geschäftsbericht 2019, dass die von Finanzinstituten vorgelegten Berichte gegen den Trend von 10.552 im Jahr 2018 auf 7.528 gesunken sind.

Der Jahresbericht hebt hervor, dass die Verdachtsmeldungen aus dem Nichtfinanzsektor um über 150% gestiegen sind. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass dieses Wachstum auf sehr niedrigem Niveau stattfindet. Die Anzahl der Verdachtsmeldungen aus diesem Sektor ist von 597 Berichten im Jahr 2018 auf 1.512 (150%) im Jahr 2019 gewachsen. Dieser Anstieg war hauptsächlich auf Organisatoren und Vermittler von Glücksspielen zurückzuführen. Die von Warenhändlern erhaltenen Meldungen stiegen um 50%, und auch das Meldungsvolumen von Immobilienmaklern und Finanzinstituten nahm zu. Die Behörde erhielt 2019 84 Verdachtsmeldungen, verglichen mit nur 31 Verdachtsmeldungen von Immobilienmaklern im Jahr 2018. Insgesamt zeigt der Anstieg der Verdachtsmeldungen, dass das Problembewusstsein im Nichtfinanzsektor steigt.

Dies spiegelt sich auch bei den Neuregistrierungen wider. In Bezug auf registrierte und aktive verpflichtete Unternehmen wurden im Jahr 2019 rund 2000 neue Registrierungen vorgenommen, hauptsächlich aus dem nichtfinanziellen Sektor. Es gab über 400 Neuzulassungen für Immobilienmakler und über 500 für Notare, während im Glücksspielsektor ein Anstieg von mehr als 255 zu verzeichnen war. Diese Neuanmeldungen sind auf Sensibilisierungsmaßnahmen zurückzuführen.

Die Anzahl der verpflichteten Stellen, die einen Bericht eingereicht haben, hat ebenfalls zugenommen. Es gab 102 weitere Parteien im Finanzsektor und 169 weitere im nichtfinanziellen Sektor. Im Durchschnitt reichten die Verpflichteten im Finanzsektor 76 verdächtige Meldungen und im Nichtfinanzsektor durchschnittlich 4 ein.

Diese Zahlen spiegeln laut FIU wider, dass sich die verpflichteten Unternehmen ihrer Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Geldwäschegesetz immer mehr bewusstwerden und immer mehr Institute bei der Durchführung ihrer Sorgfaltspflichten für Kunden automatisierte Systeme einsetzen. Insgesamt muss man dennoch davon ausgehen, dass im Nichtfinanzsektor noch ein großer Nachholbedarf besteht und die Anzahl der Verdachtsmeldungen bei bewußterer Beabeitung durch alle Verpflichteten deutlich höher wäre. Auffällig ist beispielsweise die niedrige Anzahl der Verdachtsmeldungen von Notaren. Laut Justizverwaltung kamen in 2018 von bundesweit 77.252 Hinweisen auf unrechtmäßige Immobilienkäufe nur acht Meldungen von Notaren
(Quelle: https://www-bz–berlin-de.cdn.ampproject.org/c/s/www.bz-berlin.de/berlin/elf-berliner-notare-unter-geldwaesche-verdacht?amp).