Änderung bei der Bewertung von Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW)

Mit dem neuen EU-Bankenpaket, welches ab 28. Juni 2021 anzuwenden ist, werden nun weitere wesentliche Bestandteile des Basel III-Rahmenwerks durch Änderungen der CRR II (EU Nr. 2019/876) umgesetzt. Daraus ergeben sich auch wesentliche Veränderungen im Artikel 132 CRR für die Eigenmittelanforderungen für Risikopositionen in Form von Anteilen an Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren, Kurzform OGAW. Unter OGAW versteht man Investmentfonds, die gesetzlich definierte Wertpapierarten und andere Finanzinstrumente investieren. Sie unterliegen der Zulassungspflicht und werden von der Finanzaufsicht überwacht.

Mit der CRR II tritt der Transparenzgedanke noch einmal deutlich stärker in den Fokus. Im Wesentlichen beinhaltet die Neufassung des Art. 132 CRR den Wegfall des pauschalen Risikogewichts von 100% sowie die Möglichkeit des Rückgriffs auf externe Ratings für die Berechnung der Risikopositionen.

Im Allgemeinen berechnet sich künftig der risikogewichtete Positionsbetrag für OGAW-Anteile durch Multiplikation des vom Institut gewählten Berechnungsansatzes mit dem Prozentsatz der vom Institut gehaltenen Anteile am OGAW.

Abbildung Berechnungsansatz für OGAW

Die Institute können den Transparenzansatz gem. Artikel 132a Abs. 1 oder mandatsbasierten Ansatz gem. Artikel 132a Abs. 2 anwenden, wenn die folgenden Bedingungen vollständig erfüllt sind:

  1. Ausgestaltung des OGAW (siehe Art. 132 Abs. 3a CRR II)
  2. Prospektangaben des OGAW (siehe Art. 132 Abs. 3b CRR II)
  3. Berichterstattung des OGAW (siehe Art. 132 Abs. 3c CRR II)

Institute, die weder den Transparenzansatz noch den mandatsbasierten Ansatz verwenden, haben für die Risikopositionen der OGAW-Anteile einen pauschalen Risikogewichtungsfaktor von 1.250% anzusetzen.

Institute, die über keine ausreichenden Daten oder Informationen zur Berechnung des risikogewichteten Positionsbetrages eines OGAW verfügen, können auch Berechnungen Dritter heranziehen, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  1. Dritter ist Verwahrstelle oder verwahrendes Finanzinstitut des OGAW
  2. Dritter führt die Berechnung gem. den Ansätzen des Art. 132a CRR II durch
  3. Ein externer Prüfer bestätigt die Richtigkeit der Berechnung des Dritten

Institute, die sich auf die Berechnung Dritter stützen, multiplizieren den aus diesen Berechnungen resultierenden risikogewichteten Positionsbetrag mit dem Faktor 1,2. Dieser Faktor findet keine Anwendung, wenn das Institut uneingeschränkten Zugriff auf die detaillierten Berechnungen des Dritten hat.

Die Berechnungsansätze sind gleichermaßen anwendbar für bilanzielle als auch außerbilanzielle Geschäfte. Dies beinhaltet in erster Linie auch Zeichnungszusagen auf einen zukünftigen Erwerb von Investmentanteilen, die in die RWA-Berechnung einbezogen werden müssen.

Gem. Art. 132b CRR II können Institute von den Eigenmitteln abzugsfähige Instrumente des harten Kernkapitals, des zusätzlichen Kernkapitals und Ergänzungskapitals sowie Instrumente berücksichtigungsfähiger Verbindlichkeiten von den Berechnungen nach Art. 132 CRR II ausnehmen.

Die Änderungen werden die Institute vor große Herausforderungen stellen. Bei Rückfragen beraten die Consultants von CURENTIS Sie gerne.
Mehr Informationen zu unseren Leistungsangebot erhalten Sie hier: https://curentis.com/bankenaufsichtliches-meldewesen/ueberblick/

Zum Autor:

René Richter ist seit 2019 Senior Consultant der CURENTIS AG. Er verfügt über langjährige Erfahrungen sowohl aus der Projektarbeit im Meldewesen als auch aus der operativen Meldungserstellung und hat sich auf das Aufsichtsrechtliche Meldewesen spezialisiert.