Änderungen der Großkreditvorschriften durch CRR II

Im sechsten Teil unserer Serie über die CRR II Neuerungen berichten wir über die Änderungen im Großkreditbereich. Mit der umfangreichen Überarbeitung des Großkreditregelwerkes der CRR I stehen die Verschärfungen für Großkredite gegenüber den bekannten Themen wie MREL/TLAC oder FRTB kaum im Fokus, obwohl sie einen erheblichen operativen Mehraufwand für Banken nach sich ziehen. Im Folgenden werden die wesentlichen Änderungen der Großkreditvorschriften zusammengefasst und die Herausforderungen für Banken hervorgehoben. Betrachtet werden die folgenden Themen:

  1. Neue Kapitalbemessung
  2. Neue Obergrenze für Geschäfte zwischen global systemrelevanten Instituten
  3. Kreditrisikominderungstechniken

Neue Kapitalbemessung

Ein Großkredit wird gemäß CRR definiert als eine Risikoposition gegenüber einem Kunden oder einer Gruppe verbundener Kunden (GvK), die 10% der anrechenbaren Eigenmittel erreicht oder überschreitet. Diese Definition wurde durch die CRR II gravierend geändert. Zukünftig darf ausschließlich Kernkapital der Gattung Tier-1 für die Meldeschwelle der anrechenbaren Eigenmittel angesetzt werden.

Über die ebenfalls mit CRR II geänderte Eigenkapitalzuordnung hatten wir bereits berichtet (Neuerungen für Regulatorische Eigenmittel) und diese in der nachfolgenden Grafik veranschaulicht.

Die bisherige Regelung, wonach auch Ergänzungskapitalinstrumente berücksichtigt werden konnten, entfällt. Daraus resultiert eine Verringerung der Großkreditdefinitionsgrenze auf 10% des Tier-1-Kapitals und eine Verringerung der Großkreditobergrenze auf 25%. Das führt wiederum dazu, dass bei einem Institut mehr Kredite zu Großkrediten und damit meldepflichtig werden.

Neue Obergrenze für Geschäfte zwischen G-SIIs

Darüber hinaus sieht die CRR II eine gesonderte Regelung für Risikopositionen zwischen global systemrelevanten Instituten (G-SII) vor. So wurde die Großkreditobergrenze für Risikoposition zwischen G-SIIs auf 15% abgesenkt. Für Institute, die erstmalig als global systemrelevant klassifiziert werden, gilt die Pflicht der Einhaltung innerhalb von maximal zwölf Monaten.

Sofern Institute die Großkreditobergrenze unabhängig von ihrer Klassifizierung ausnahmsweise überschreiten, ist zukünftig ein frühzeitiger Wiedereinhaltungs- bzw. Rückführungsplan vom jeweiligen Institut einzureichen und von der Aufsichtsbehörde zu überwachen. Die Aufsicht kann im Rahmen ihrer Überprüfung auch einen kürzeren Rückführungszeitraum einfordern.

Kreditrisikominderungstechniken

Zukünftig gilt, dass alle zulässigen Sicherheiten, die im Rahmen der RWA-Berechnung angewendet werden, auch für die Großkreditvorschriften ausschlaggebend sind. So müssen für die Zwecke der Großkreditmeldungen alle Sicherheiten, Garantien und Kreditderivate aus der RWA-Berechnung berücksichtigt werden, sofern die Anforderungen für eine Anrechnung einer Großkreditmeldung erfüllt sind. In diesem Zusammenhang ist zudem eine verpflichtende Berücksichtigung des Substitutionseffektes in Bezug auf die Sicherheit bzw. Garantie sicherzustellen. Daraus folgt eine Erhöhung, des sich auf die Großkreditobergrenze anzurechnenden Betrages gegenüber dem Emittenten der finanziellen Sicherheit bzw. dem Garantiegeber durch die Hereinnahme und Anreicherung der Besicherung.

Insbesondere die geänderten Kreditrisikominderungstechniken und die zwingende Berücksichtigung des Substitutionseffektes verursachen erhebliche Veränderungen der internen Prozesse. Auch müssen Banken die Bedeutung der Nicht-Berücksichtigung des Ergänzungskapitals frühzeitig analysieren und die Auswirkungen in ihrer Planung berücksichtigen. CURENTIS hilft Ihnen dabei, die Herausforderungen zu bewältigen. Gerne beraten wir Sie bei Rückfragen.

Hier geht es zu den anderen Beiträgen unserer Serie über CRR II Neuerungen:

Harun AraZum Autor: Harun Ara ist seit 2018 Meldewesen Consultant der CURENTIS AG und verfügt über um­fangreiche Projekterfahrung aus Großbanken und hat sich auf das Aufsichtsrechtliche Meldewesen spe­zialisiert.