Anti-Money-Laundering bekämpft Umweltkriminalität: Beispiel illegale Goldminen

12. August 2021

Die Financial Action Task Force hat im Juli einen Bericht zur Umweltkriminalität veröffentlicht. Die FATF ruft dazu auf den Scope des Anti Money Laundering auf den Bereich der Umweltkriminalität auszuweiten (zum Überblick). CURENTIS startet mit diesem Artikel über illegale Goldminen eine Serie zur Erläuterung des Zusammenhanges zwischen AML und Environmental Crime.

Illegaler Goldabbau hat viele Folgen:

  • Umweltverschmutzung
  • Menschenrechtsverletzungen
  • Rodung von Waldgebieten und Verlust von Biodiversität
  • Eindringen von illegal erworbenen Rohstoffen in den Wirtschaftskreislauf
  • Bestechung und Ausnutzung legaler Strukturen durch organisierte Kriminalität
  • Geldwäsche

Rohstoffe sind Teil unseres Alltages: ob im Smartphone, im Arbeitslaptop oder als Bestandteil in Medizinprodukten. Leider hat der Abbau dieser Rohstoffe viele kritische und zum Teil kriminelle Aspekte.
La Pampa, Peru, in der Region Madre de Dios am südwestlichen Rand des Amazonasbeckens ist nicht nur für seinen tropischen Regenwald bekannt, sondern auch für illegalen Goldabbau.  Während Peru 2019 noch unter den Top 6 der Goldproduzenten der Welt war, schaffte es das Land mit knapp 50 Tonnen offiziellen Golds weniger 2020 nicht mehr unter die Top 10 des Rankings vom World Gold Council, mit Head Office in London. Schuld daran ist das illegale Schürfen. Gleichzeitig ist der illegale Abbau besonders für die Umwelt vor Ort schädlich: Die Rodung des Tropenwalds, der Einsatz von gefährlichen Stoffen wie Quecksilber, Wasser- und Umweltverschmutzung bedrohen die Biodiversität und die Gesundheit der Anwohner.

Die finanziellen Folgen sind für die Volkswirtschaften, in denen unrechtmäßiger Abbau betrieben wird, spürbar, nehmen aber durch die internationalen Finanz- und Warenströme Einfluss auf viele andere Länder. Multinational hat illegales Gold daher wirtschaftlichen Folgen, mit denen sich die Financial Action Task Force (FATF) beschäftigt.

Der Rohstoff Gold, ebenso wie Diamanten und andere seltene Erden, werden illegal abgebaut ohne Rücksicht auf Umwelt, Bevölkerung und Wirtschaft. Die steigenden Gold- und Rohstoffpreise machen den unrechtmäßigen Abbau noch attraktiver. Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit finden keine Berücksichtigung.  Unfälle und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen sind Bestandteil des kraftaufwendigen Abbaus. Ist das Golderz zudem abgebaut, muss es noch aufbereitet werden. Bei dem illegal abgebauten Gold werden umweltschädliche Verfahren unter Einsatz von Quecksilber oder Cyanidlauge angewendet. Ist das gewonnene Gold in der Scheideanstalt, so ist seine Herkunft nicht mehr nachvollziehbar. Gleiches gilt auch für unbearbeitete Diamanten (geschliffene Brillanten sind mit Registrierungsnummern versehen).

Selbst der legale Abbau von Rohstoffen kann für die Verschleierung von illegalen Geldströmen aus der organisierten Kriminalität genutzt werden. Ferner ist auch das Investieren von schmutzigem Geld in unbehandelte Diamanten, Gold oder anderen Rohstoffen aufgrund des einfachen Transports und aufgrund der Möglichkeit es als Zahlungsmittel einzusetzen, interessant, und macht diese Güter zu Währung außerhalb des regulierten Finanzsektors. Hierdurch wird die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung schwer greifbar für die Aufsichts- und Justizbehörden. Hinzukommt das Thema Bestechung: Selbst die Unternehmensstrukturen von legalen Schürfunternehmen sind nicht davon ausgenommen, dass Kriminelle durch Bestechung von Amtspersonen oder Behördenmitgliedern ihre offiziellen Schürfungen unterwandern. Kriminelle nutzen die offiziellen Minen, um über ihre Lieferströme die Herkunft der illegal geschürften Erze zu verschleiern und in den offiziellen Finanzkreislauf einzubringen. Diese Kreisläufe werden bei illegal abgebauten Rohstoffen durch multinationale Konstrukte verschleiert und die Endprodukte werden in der ganzen Welt veräußert.

Gold wird als Währung, für die Herstellung von Schmuck aber auch in der Medizin und in der Elektronik eingesetzt. Da illegaler Rohstoffabbau im Zusammenspiel mit Geldwäsche funktioniert, muss sich die Finanzbranche kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen. Mit Blick auf die nicht-finanziellen Offenlegungspflichten ab 2022, resultierend aus der EU-Taxonomie für Nachhaltigkeit, wird für die Finanzbranche auch die Frage aufkommen, ob ihre Investments in Gold und Rohstoffe in Verbindung mit illegalem Abbau stehen. Ebenso kommt dann die Frage auf, ob sie Kunden in ihrem Portfolio aufweisen, die eben gegen diese EU-Richtline verstoßen. Die gleiche Fragestellung stellt sich auch in Hinblick auf das kürzlich beschlossene Lieferkettengesetzes; hierbei insbesondere mit Blick auf die Menschenrechtslage in den Minen generell und insbesondere beim illegalen Goldabbau.

Zur Autorin: Romina Stuhrmann ist seit 2021 Consultant der CURENTIS AG und verfügt über um­fangreiche Projekterfahrung aus Großbanken: Sie hat sich auf den Bereich Know-Your-Costumer (KYC) spezialisiert.