Auswirkungen von Basel IV und der Corona – Krise auf die Kreditvergabe für die Real- und Privatwirtschaft

12. Januar 2021

Die neuen Bankenregeln, allgemein bekannt als Basel IV, beinhalten die Einführung von Output-Floors. Das bedeutet, dass die Banken bei der Verwendung interner Modelle weniger von dem Standardansatz abweichen dürfen.

Diese Änderung wird weitreichende Auswirkungen haben. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) schätzt hierbei, dass allein die deutschen Banken ihre Mindesteigenkapitalanforderungen um rund 20 Prozent erhöhen müssen. Durch die Einführung des Basel IV erwartet die EBA für Deutschland zudem eine Erhöhung der Eigenkapitalanforderung von 38 Prozent. Im EU – Durchschnitt wird geschätzt, dass sich dieser Wert um 26 Prozent erhöhen.

Die Banken stehen also vor großen Herausforderungen. Aufgrund der überwiegend schwierigen Ertragslage der Banken werden die meisten Banken nicht in der Lage sein, ihr Kapital allein durch die Erzielung von Gewinnen oder die Beschaffung von Mitteln bei Investoren zu erhöhen. Für Kreditnehmer werden die Reformen bzw. die höheren Eigenkapitalanforderungen wahrscheinlich mit höheren Zinsen einhergehen.

Der Basler Ausschuss hat die Umsetzung von Basel IV nach intensivem Lobbying durch die Finanzindustrie aufgrund des Coronavirus-Chaos um ein Jahr verschoben, mit einer neuen Frist bis zum 1. Januar 2023. Dies verschafft den von der Krise ebenfalls betroffenen Banken etwas Luft.

Zusätzliche Erschwerung der Kreditvergabe durch die Corona – Krise

Industrie und Banken haben vor einer Überregulierung durch die neuen Regeln des Baseler Ausschusses gewarnt, auch vor dem Hintergrund der Corona Krise. Es wird erwartet, dass institutionelle Investoren 135 Milliarden Euro an zusätzlichem Eigenkapital aufbringen müssen, um mit den kommenden neuen Regelungen mitzuhalten. Davon entfallen rund 42 Mrd. EUR auf deutsche Institute.

Aufgrund der Corona-Epidemie wird erwartet, dass Banken teilweise mit niedrigeren Kapitalquoten in die wirtschaftliche Erholungsphase eintreten müssen. In dieser Situation würden jedoch die Kapitalanforderungen durch die Umsetzung der überarbeiteten Baseler Standards noch einmal deutlich erhöht.

Fehlendes Kapital könnte die Kreditvergabekapazität verringern und die Erholung der Realwirtschaft erheblich verzögern. Eine Kreditklemme in der Realwirtschaft müsse vermieden werden.

Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnt davor, dass Bankkredite an den Mittelstand wegen des steigenden Eigenkapitalbedarfs und der daraus resultierenden Auswirkungen auf das Handwerk mittelfristig eingeschränkt oder verteuert werden könnten.

 

Hohe Kreditnachfragen stoßen auf grundsätzlich zurückhaltende Banken

Laut einer Ifo-Umfrage des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung gaben 34,4 Prozent der Unternehmen an, im zweiten Quartal 2020 mit Banken über Kredite verhandelt zu haben, was nur leicht unter dem bisherigen Höchststand aus dem ersten Quartal 2017 liegt. Anfang 2020 lag der Wert bei knapp 29,3 %. Die Kreditgeber sind jedoch vorsichtig. Von den Verhandlungsführern berichteten 19,4 Prozent von einem eher vorsichtigen Verhalten der Banken.

Ergebnis der Kreditverhandlungen im Frühjahr 2020
Antwortanteile in %

Quelle: www.bundesbank.de/

Daher ist es generell ratsam, Reformen nicht nur in ihrer jetzigen Form zu verschieben, sondern grundlegend zu überdenken.

Die Eigenkapitalanforderungen für den Bankensektor unterliegen stetig neuen Regulierungen.Für viele Banken und ihre Mitarbeitern ist es schwierig permanent veränderte Anforderungen im Blick zu haben und die erforderlichen Umsetzungen in ihren Banksystemen zu steuern.  Kontinuierliche Veränderungen von regulatorischen Anforderungen erfordern zuverlässige Partner mit Fach- und Technikexpertise.

Die CURENTIS AG kennt die rechtlichen Anforderungen und setzt für Sie die Theorie in die Praxis um. Unsere Berater greifen dabei auf langjährige Expertise aus vielen Projekten und der operativen Meldeerstellung. Profitieren Sie von unserer Erfahrung und kontaktieren Sie uns gerne bei Fragen.