CO₂-Footprint im Consulting

26. Mai 2021

Dass Nachhaltigkeit kein Nischenthema mehr ist, sondern zunehmend den öffentlichen Diskurs prägt und Industrie- wie auch Finanzunternehmen vor Herausforderungen (und Chancen) stellt, ist wohlbekannt. Doch wie sieht es um die Nachhaltigkeitsbemühungen bzw. -potenziale derjenigen aus, die eben diese Unternehmen hinsichtlich der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen beraten: kann das Consulting (ökologisch) nachhaltig werden?

Hier wird schnell deutlich, dass die möglichen Handlungsfelder andere sind als beispielsweise bei Banken, Vermögensverwaltern oder Energiekonzernen. Beratungsfirmen stellen weder Gelder für klimafreundliche oder -schädliche Projekte/Unternehmen zur Verfügung, noch investieren sie in diese oder greifen direkt im wesentlichen Maße in die Umwelt ein. Somit scheint für Berater ökologisch alles „im grünen Bereich“ zu sein?! Leider nicht ganz! Denn es gibt eine klimaschädliche Tätigkeit, für die Unternehmensberater wahrscheinlich mehr stehen als sonst eine Berufsgruppe: die Dienstreisen. Moderne Reisebuchungssysteme erlauben ein genaues Tracking des CO2-Abdruckes, den ein Consultingunternehmen durch seine Reisetätigkeit erzeugt (siehe beispielhafte Grafik). Auf diese Weise kann der aktuelle Status transparent gemacht und aktiv gegengesteuert werden.

Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in den (Heimat-)Büros der Consultants, verstärkter Einsatz von Hybrid- bzw. E-Firmenwagen oder (soweit möglich) papierloses Arbeiten sind nicht verkehrt, aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein der CO2-Bilanz, wenn beispielsweise 25 Wochen im Jahr klassische „Beraterrouten“ wie Düsseldorf – München zweimal wöchentlich abgeflogen werden. Selbstverständlich wäre es hierbei angebracht, auf CO2-sparsamere Formen der Fortbewegung umzusteigen, jedoch stellt die Bahn nicht für alle Entfernungen den adäquaten Ersatz dar. Interessanter und nachhaltiger ist jedoch die Frage, ob diese Form des „Berater seins“ überhaupt noch zeitgemäß ist.

Die Pandemie der letzten anderthalb Jahre wirkte auf das Homeoffice bzw. Remote Working wie ein Katalysator. Auch wenn diese kurzfristige Umstellung selbstverständlich mit individuellen Herausforderungen einher ging, so zeigte die Krise, in der auch dienstlich kaum noch gereist wurde, dass der Erfolg von Beratungsprojekten nicht primär davon abhängig ist, dass der Consultant dauerhaft vor Ort beim Mandanten ist. Dies ist auch kongruent zur allgemeinen Entwicklung hin zum Homeoffice auch auf Seiten der Beratermandanten. Zusammen mit der fortschreitenden Digitalisierung von Arbeitsmaterialien und Informationen (physisches durchblättern von Akten ist nicht mehr der Regelfall), gibt es kaum noch einen objektiven Grund für das ständige vor-Ort-Sein der Consultants.

Auch wenn die Reisetätigkeit nach Ende der Pandemie wieder zunehmen wird, so ist es jedoch unwahrscheinlich, dass zu einem völligen business-as-usual übergegangen wird. Vollständig klimaneutral wird die Beratertätigkeit wohl in näherer Zukunft nicht, aber es gibt definitiv die Möglichkeit, sie klimaschonender zu gestalten.

Zum Autor:

Matthias Hadinek ist seit 2020 Senior Consultant der CURENTIS AG. Er verfügt über mehrjährige Erfahrungen aus der Projektarbeit in der prüfungsnahen Beratung mit dem Schwerpunkt auf kreditnahen Themen und Aufsichtsrecht. Darüber hinaus hat er sich auf Sustainable/Green Finance spezialisiert.