CRR II – Neuerungen im Kreditrisiko

09.07.2020

In unserer Serie zu den Änderungen durch CRR II haben wir bereits über das Leverage Ratio und die Bewertung von Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) berichtet.

Der aktuelle Beitrag betrachtet Änderungen der Ei­genmittelanforderungen für Kreditrisiken. Die wesentlichen Änderungen mit CRR II betreffen die Ausweitung des Unterstützungsfaktors für KMU-Kredite, die Einführung des Unterstützungsfaktors für Infrastrukturpositionen, sowie die Eigenmittelunterlegung für Anteile an Investmentfonds im Anlagebuch, über welches wir gesondert in unseren News berichtet haben.

KMU-Faktor

Aufgrund ihrer wichtigen Rolle für das europäische Wirtschaftswachstum und ihrem verhältnismäßig geringeren systematischen Risiko gegenüber Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 50 Mio. EUR, wird der Forderungsanteil für KMU´s. angehoben. Der Forderungsanteil von aktuell 1,5 Mio. EUR (Unterstützungsfaktor von 0,7619 gem. Art. 501 der CRR II) steigt auf 2,5 Mio. EUR. Darüber hinaussteigende Exposures erhalten eine Senkung der Eigenkapitalanforderungen um 15% (Unterstützungsfaktor von 0,85). Bedeutet, dass die nach dem normalen Vorgehen ermittelten risikogewichteten Aktiva mit diesen Unterstützungsfaktoren multipliziert und damit verringert werden. Hierbei muss das Exposure der gesamten Gruppe verbundener Kunden betrachtet werden. Weiterhin dürfen die Positionen nicht als ausgefallen gelten und werden den Forderungsklassen aus dem Mengengeschäft, gegenüber Unternehmen oder durch Immobilien besicherte Risikopositionen zugeordnet.

Behandlung von Infrastrukturpositionen

Die Eigenkapitalanforderungen für Infrastrukturfinanzierungen (insbesondere in Breitband- und Energienetze sowie Transportinfrastruktur, einschließlich Infrastruktur für Elektro-Mobilität, vor allem in Industriezentren, in Bildung, Forschung und Innovation sowie in erneuerbare Energien und Energieeffizienz) erhalten einen Unterstützungsfaktor von 0,75. Die Kreditinstitute müssen in einem halbjährlichen Rhythmus den berechneten Gesamtbetrag ihrer Risikopositionen gegenüber Infrastrukturprojektgesellschaften melden.

Unter die Privilegierung der Infrastrukturpositionen fallen die Risikopositionen, die den Kriterienkatalog des Art. 501a der CRR II erfüllen;

  • Die Positionen dürfen nur der Risikoposition „Unternehmen“ oder „Spezialfinanzierungen“ zugeordnet werden und gelten nicht als ausgefallen
  • Risikopositionen gegenüber Rechtsträgern, die physische Strukturen oder Anlagen, Systeme und Netze, die grundlegende öffentliche Dienste erbringen oder unterstützen, betreiben oder finanzieren
  • Die Rückzahlung der Verpflichtung erfolgt mit mindestens zu 2/3 aus den durch die finanzierten Vermögenswerte generierten Einkünften
  • Der Schuldner kann seinen finanziellen Verpflichtungen auch unter erheblichen Stress­bedingungen nachkommen
  • Die vom Schuldner generierten Zahlungsströme sind vorhersehbar und decken alle künftigen Kreditrückzahlungen während der Kreditlaufzeit ab
  • Die vertraglichen Vereinbarungen bieten den Kreditgebern ein hohes Maß an Schutz, sowie Vorrang vor allen anderen Forderungen, ausgenommen gesetzlichen Ansprüchen und Forderungen von Gegenparteien bei Derivaten
  • Die Eigenkapitalgeber verfügen über die erforderliche Finanzkraft, einschlägige Sachkenntnis, geringes Ausfallrisiko sowie angemessene Mechanismen, um die Interessen der Eigenkapitalgeber mit den Interessen der Kreditgeber zu harmonisieren
  • Vorkehrungen zur fristgerechten Einhaltung der Fertigstellung sind etabliert
  • Es erfolgt die Verwendung von erprobten Technologien und Konstruktionen
  • Die Verwendung von Derivaten ist ausschließlich zur Risikominderung gestattet.

Die oben genannten Regelungen finden spätestens am 28.06.2021 ihre Anwendung. Die wesentlichen Änderungsvorschläge des Baseler Ausschusses mit BCBS 424 aus Dezember 2017 „Basel III: Finalising post crisis reform“ werden mit CRR III Ihre Gültigkeit finden. Eine Veröffentlichung der CRR-III wird im Spätsommer 2020 erwartet. Inhalte dieser Reformen sind unter anderem die neue Kalibrierung der RWA-Ermittlung nach den Kreditrisikostandardansatz (KSA) und den auf internen Beurteilungen basierenden Ansatz (IRBA), sowie die Reduzierung des Anwendungsbereiches einiger Forderungsklassen und die Anpassung des Schätzparameters für die internen Modelle. Des Weiteren wird hier die Einführung des Output-Floors mit 72,5% für alle Risikopositionen erwartet. Demnach dürfen die intern ermittelten RWAs nicht mehr als 27,5% gegenüber den Anforderungen nach den Standardverfahren abweichen. CURENTIS hält Sie auf dem Laufenden.

Sollten Sie weiteren Informationen für Ihr Institut benötigen, können Sie uns jederzeit kontaktieren.

Zum Autor: Atilla Hizal ist seit 2018 Meldewesen Consultant der CURENTIS AG und verfügt über um­fangreiche Projekterfahrung aus Großbanken und hat sich auf das Aufsichtsrechtliche Meldewesen spezialisiert.