Deutsche Kreditwirtschaft befürchtet zu kurzen Zeitraum für Einführung des CSR-Reportings

11. August 2021

Das CSR-Reporting gemäß neuer Richtlinie erweitert auch den Kreis der betroffenen Kreditinstitute deutlich. Die deutsche Kreditwirtschaft erwartet massive IT-Auswirkungen in einem kurzfristig umzusetzenden Projekt.

Die Europäische Kommission hat am 21. April 2021 den Richtlinienvorschlag “Corporate Sustainability Reporting Directive – CSRD” vorgelegt, mit dem die Vorgaben für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen geändert werden sollen. Verbände hatten Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum 4. Juni 2021. Bis zum 01. Dezember 2022 muss die Richtlinie in nationales Recht überführt werden. Die Grafik gibt einen Überblick über die Inhalte des CSR-Reports.

Die Stellungnahme der Deutschen Kreditwirtschaft lässt sich in den folgenden fünf Kritikpunkten zusammenfassen:

  1. Berichtspflicht zu ambitioniert: Die Umsetzung der neuen Berichtspflichten erscheint inhaltlich und zeitlich mehr als ambitioniert, insbesondere für erstmals berichtspflichtige Kreditinstitute.
  2. Zu viele relativ kleine Banken betroffen: Die Ausweitung des Anwendungsbereiches für alle „großen“ Unternehmen im Sinne der Bilanz-Richtlinie (Bilanz größer als 20 Mio. EUR, mehr als 250 Beschäftigte) führt zu einer Berichtspflicht für viele ausschließlich regional tätige Banken und Sparkassen. Es wird empfohlen, die Berichtspflicht erst für Unternehmen oberhalb von 500 Beschäftigen einzuführen.
  3. Elektronische Erstellung treibt den Aufwand: Als großer Aufwandstreiber wird zudem bewertet, dass mit der CSRD das Gebot zur elektronischen Erstellung des Jahresabschlusses und Lageberichts auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung ausgeweitet werden und damit auch für nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen gelten soll. Dies ist für Institute, die bisher nicht dazu verpflichtet waren, mit erheblichen Kosten verbunden.
  4. Lagebericht wird aufgebläht: Kritisch wird zudem bewertet, dass detaillierte Nachhaltigkeitsinformationen in den Lagebericht aufgenommen werden sollen. Der Lagebericht wird aufgebläht und die Aufstellungsfristen verkürzen sich weiter. Ein separater Bericht würde hingegen die Übersichtlichkeit erhöhen und den Zugang zu diesen Informationen erleichtern.
  5. Umsetzungsfristen sind deutlich zu kurz bemessen: Da der Kernstandard erst bis zum 31. Oktober 2022 auf EU-Ebene verabschiedet werden soll und branchenbezogene Standards sogar bis zum 31. Oktober 2023 veröffentlicht werden dürfen, erscheint es als unrealistisch, dass die erste Berichtsperiode bereits zum 01. Januar 2023 beginnen soll. Für die erstmalige Erstellung der neuen Nachhaltigkeitsberichte wird eine Projektvorlaufzeit von einem Jahr als notwendig erachtet.

Zum Autor: Ralf Penndorf ist seit 2010 Vorstand der CURENTIS AG. Herr Penndorf hat ein Diplom in Wirtschaftswissenschaften der Ruhr-Universität Bochum sowie einen MBA der Open University of the Netherlands und der MBA School in Aix-en-Provence. Neben umfassenden Erfahrungen aus den Bereichen Meldewesen und Anti-Money Laundering hat er sich auf Sustainable Banking spezialisiert