Ein Kommentar zum Jahresbericht 2019 der FIU

03. 08 2020

Mit der Veröffentlichung des Jahresberichts 2019 der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (offiziell Financial Intelligence Unit; kurz FIU) wird wieder einmal mehr deutlich: Deutschland hat noch einen langen, steinigen Weg in der Bekämpfung von Geldwäsche vor sich.

Noch nie wurden so viele Geldwäscheverdachtsfälle eingereicht wie für das verganene Jahr. Sowohl Finanzdienstleister als auch Notare oder Immobilienmakler melden immer mehr Verdachtsfälle von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Der kürzlich publizierte Jahresbericht der Financial Intelligence Unit (FIU) bestätigt diesen Trend sehr deutlich.

Insbesondere der Immobiliensektor gerät immer mehr in den Fokus der Ermittlungen. Nach Angaben des Jahresberichts 2019 wurden insgesamt 1.266 Verdachtsmeldungen an die FIU gesendet, die sich auf den Immobiliensektor bezogen. Die Zahl der von Immobilienmaklern an die FIU gesendeten Verdachtsmeldungen stieg mit 84 Meldungen um mehr als 60%. Die FIU wertet diesen Anstieg als Zeichen für eine immer stärker werdende Sensibilisierung des Themas Geldwäsche bei den Immobilienmaklern. Zudem gab es im Jahr 2019 über 400 Neuzulassungen von Immobilienmaklern.

So vielversprechend die Zahlen sich auf dem ersten Blick auch anhören – Deutschland hat nach wie vor ein enormes Problem in der Bewältigung und Prävention von Geldwäsche. Besonders bei Immobilienkäufen erschweren Anonymität und der Einsatz von Strohmännern die Aufdeckung von illegalen Machenschaften. Das Risiko von zunehmenden Geldwäscheaktivitäten steigt durch solche geschickten Vorgehensweisen rapide an. Die FIU hatte bereits in ihrem Jahresbericht 2018 vor einer hohen Anfälligkeit des Immobiliensektors für die Nutzung von Geldwäsche gewarnt.

Laut Transparency International, einer auf Korruption spezialisierte Nichtregierungsorganisation,  liegt die Dunkelziffer bei illegalen Immobilienkäufen weitaus höher und so wird geschätzt, dass rund 15 bis 30 Milliarden Euro Schwarzgeld pro Jahr in Immobilien in Deutschland investiert werden.  Aus diesem Grund ist es von immenser Bedeutung, dass nicht nur die Behörden alles daran setzen, solche Fälle aufzudecken und damit verbundenn Straftäter zur Rechenschaft zu ziehen, sondern auch die Makler und Verkäufer von Immobilien stets wachsam sind und jeden Verdacht auf Geldwäsche an die FIU melden.

Dennoch zeigt der Jahresbericht 2019 auch sehr deutlich, dass die Zahl der Meldungen von Geldwäscheverdachtsfällen an die FIU zwar konstant gestiegen ist, diese aber oftmals in der Bearbeitung solcher Fälle nicht hinterherkommen und viele Verdachtsmeldungen gar nicht erst analysiert und geprüft werden. Die Folgen dürften wenig überraschend sein – die Zahl von illegalen Geldwäscheaktivitäten, nicht nur im Immobiliensektor, werden weiter steigen und Deutschland wird weiter als Paradies für Geldwäsche von Kriminellen genutzt werden.  Der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist unverändert hoch.

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