Geldwäscherisiken im Emissionshandel

08. September 2021

Eine Studie des Umweltbundesamtes weist auf das Risiko von Geldwäsche im CO2 Emissionshandel hin. CURENTIS analysiert die Hintergründe.

Im Mai 2021 hat der Preis für ein CO2 Emissionszertifikat erstmals die Marke von 50 € pro Tonne überschritten. Da sich die Zertifikate als Anlageprodukt nutzen lassen, stellt sich die Frage, inwieweit damit Geldwäsche betrieben werden kann.

Durch steigende CO2 Preise sollten Investitionen in umweltfreundliche Techniken interessanter werden, so dass steigende Zertifikatspreise zur Verringerung des CO2 Ausstoßes beitragen sollten. Es ist davon auszugehen, dass der Preis auch in Zukunft weiter steigen wird. Immer mehr Private und professionelle Investoren haben den Zertifikatshandel für sich entdeckt:

  • Banken haben Indizes geschaffen, die den Preis für Emissionsrechte nachbilden,
  • private Anleger nutzen diese dazu, ihre Depots zu diversifizieren,
  • Hedgefonds, um zu spekulieren.

Vor dem Hintergrund des steigenden Emissionshandels stellt sich aus der Perspektive von Anti-Money Laundering Experten die Frage, ob diese Investments auch von Geldwäschern ausgenutzt werden könnten. Das Umweltbundesamt hat sich damit im letzten Jahr in einer Studie befasst und fünf Punkte benannt, die diesen Markt anfällig für Geldwäsche machen:

  1. Die Zertifikate können problemlos gehandelt werden. Zwar wird in der Regel ein Registerkonto benötigt, aber dies kann bei Treuhandgeschäften vermieden werden.
  2. Da die Staaten der EU die Zertifikate verwalten, ist die Sicherheit der Geldanlage garantiert.
  3. Der Handel mit Emissionszertifikaten erfordert zwar eine Listung im Unionsregister, aber das Register ist nicht ausreichend transparent. Es ist nicht ersichtlich, wem ein Konto gehört, in welchem Mitgliedstaat es registriert wurde und wer dahintersteht.
  4. Ein angemessenes Compliance Management ist bei vielen beteiligten Unternehmen bisher noch nicht etabliert worden.
  5. Da der Zertifikatehandel mit der Intention geschaffen wurde, den Preis für emittiertes CO2 zu erhöhen, wird dieser dauerhaft steigen.

Im Rahmen der Studie hat das Bundesamt Inhaber von Registerkonten aus Deutschland befragt, die in den Sektoren, Industrie und Luftfahrt aktiv sind. Bemerkenswert ist dabei, dass im Zeitraum von 2016-2017 nur 19% der Transaktionen über eine Energiebörse gelaufen sind, 33% über Banken und andere Finanzinstitute, während 48% über den außerbörslichen Handel getätigt wurden.

In einem zweiten Schritt ist den Befragten ein Katalog von zehn auffälligen Transaktionsangeboten vorgelegt worden, die einen Verdacht auf Geldwäsche nahelegen. Alle Auffälligkeitsformen wurden von den Befragten auch angegeben. Am häufigsten war es der Fall, dass die Interessenten keinen Bezug zur CO2 Branche hatten. An zweiter Stelle standen Geschäfte, die über Vermittler ohne ein eigenes Registerkonto abgewickelt werden sollten. Ebenfalls waren Geschäftspartner nicht direkt oder nur über eine Mobilfunknummer erreichbar. Zusätzlich gab es Interessenten, deren Geschäftszweck nicht klar erkennbar war. Auch wich der Preis der Zertifikate teilweise deutlich vom aktuellen Börsenpreis ab. Außerdem lag der Wunsch, mit Bargeld zu bezahlen, weit über dem erwarteten Wert. Dies ist bemerkenswert, da es sich bei den Zertifikaten um Finanzprodukte handelt, die für professionelle Marktteilnehmer bestimmt sind und steuerlich geltend gemacht werden können.

Laut der Studie gehen die höchsten Risiken von freien unregulierten Händlern aus. Diese können auch in Ländern sitzen, die hohe Risiken für Korruption und Geldwäsche aufweisen. Dabei lässt sich erkennen, dass insbesondere kleine Händler häufiger über auffällige Transaktionen berichten. Dies legt den Verdacht näher, dass sie von Geldwäschern bevorzugt missbraucht werden könnten. Den Daten zufolge berichtet jeder vierte Markteilnehmer über Spotgeschäfte mit Partnern aus anderen EU-Ländern. Vor diesem Hintergrund wäre es sinnvoll, dem Problem auf der europäischen Ebene zu begegnen.

Ein wichtiger Anlass, den Handel mit Emissionszertifikaten für Geldwäsche zu nutzen, sind die geringen Compliance Maßnahmen, die bisher in der Branche etabliert wurden. Allenfalls auf Händlerseite scheint bisher ein gewisses Monitoring implementiert worden zu sein. Allerdings sind auch diese noch keine Selbstverständlichkeit. Offensichtlich hat sich noch kein hinreichendes Problembewusstsein eingestellt. Laut der Studie hätten die Kontoinhaber nur in etwa 60% der Fälle die Identität eines wirtschaftlich Berechtigten geprüft, wenn diese zweifelhaft war.

Generell sollten auch im Emissionshandel Elemente etabliert werden, die bereits aus anderen regulierten Branchen bekannt sind, wie zum Beispiel regelmäßige Schulungen in Geldwäsche oder ein Geldwäschebeauftragter. Die Einführung eines KYC-Prozesses im Emissionshandel ist unerlässlich.

Zum Autor: Karl Eugen Reis ist seit 2021 Consultant der CURENTIS AG und verfügt über umfangreiche Projekterfahrung im Bereich Financial Services und Anti Financial Crime. Neben diesen Tätigkeiten hat er als Assistent an einer Reihe von Projekten in der Wirtschaftsprüfung teilgenommen unter anderem bei einem Asset Quality Review (AQR) zur Vorbereitung des Bankenstresstest der Europäischen Zentralbank.