Leverage Ratio – Neuerungen unter CRR II

22.06.2020

In unserer Serie über Neuerungen aus CRR II haben wir im Juni über die Bewertung von Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW)  berichtet. Nachfolgend zeigt ein CURENTIS Meldewesen-Spezialist auf, wie sich CRR II auf die Leverage Ratio auswirkt.

Die Leverage Ratio, welche als monetäres Mittel von Zentralbanken kaum mehr verwendet wird, und für Banken bisher eine geringe Bedeutung besaß, wird jetzt mit einer verbindlichen Mindestquote versehen.

Die Einhaltung der neuen Quote bedeutet für Banken, dass die Bilanzstruktur analysiert und die Einhaltung der Quote geprüft werden sollte. In Folge der neuen Regelung könnten bilanzielle Maßnahmen erforderlich sein, um die Quote einzuhalten.

Hintergrund

Die Leverage Ratio soll vor übermäßiger Verschuldung schützen. Das Besondere bei der Leverage Ratio als Meldung ist, dass sie nicht durch Bewertungen von Risikopositionen (RWAs im Nenner) berechnet wird, wie dies zum Beispiel bei Eigenmittelquoten der Fall ist. Stattdessen steht das Verhältnis vom Kernkapitel zu Verschuldungsgrad im Fokus.

Dieser Verschuldungsgrad referenziert auf die Erfahrungen aus der Finanzkrise 2007 und 2008. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen soll eine übermäßige bilanzielle und außerbilanzielle Verschuldung vermieden werdeb, Dies gilt auch innerhalb von Verbindlichkeitsarten, die „sicher“ scheinen und deshalb eine geringe Auswirkung auf die RWAs haben.

Bei einer plötzlichen Neubewertung der RWAs wie zum Beispiel im Falle von Collaterized Debt Obligations auf Immobilienkredite während der Finanzkrise 2007 / 2008, kann somit ein Teufelskreis durch den massenhaften Verkauf von Vermögenswerten und der reduzierten Verfügbarkeit von Krediten vermieden werden, die Banken in die Insolvenz führen könnte.

Mit der CRR II wird eine verbindliche Mindestquote von 3% für die Leverage Ratio sowie ein extra Risikopuffer für globale systemrelevante Institutionen verordnet.

Berechnung der Leverage Ratio

Nach Einführung der CRR II ist die Mindesthöhe von 3,0% des Kapitalpuffers verbindlich

Für global systemrelevante Institute gibt es eine extra Kapitalanforderung in Höhe von 50% des Kapitalpuffers.

Die bilanziellen Positionen müssen brutto einfließen. Kreditsicherheiten, Kreditderivate als Sicherungsnehmer und Wertberichtigungen werden nicht eingerechnet.

Besonderheiten der neuen Leverage Ratio

Die neue Leverage Ratio hat besonders große Auswirkungen für Banken mit volumenstarkem risiko-armen Kreditgeschäft.

Für diese Banken können unter bestimmten Voraussetzungen öffentliche Förderkredite, Durchleitungskredite, öffentlich garantierte Exportkredite sowie Forderungen gegenüber Zentralbanken herausgerechnet werden. Hierfür wird eine „adjusted Leverage Ratio“ als Kennzahl berechnet.

Eine weitere Besonderheit gibt es bei Bausparkassen. Für diese kann unter bestimmten Bedingungen das Bausparguthaben mit der Höhe des Bauspardarlehens verrechnet werden.

Bei der Ermittlung von Risikopositionen durch Derivate, gibt es einen Standardansatz für das Kontrahentenausfallrisiko (SA-CCR) unter CRR II. Dieser muss zusätzlich etwas modifiziert werden, da das Nutzen von „Netting“ unter CRR II nicht für Derivate vorgesehen ist.

Zum Autor: Kassra Rashidian ist seit Anfang 2018 als Meldewesen und ABACUS Spezialist bei der CURENTIS. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen aus ABACUS/DaVinci und Abacus360 Einführungen bei verschiedenen Banken.