Madagaskar Case: Über Vanille und Geldwäsche

18. August 2021

Die Financial Action Task Force hat im Juli einen Bericht zur Umweltkriminalität veröffentlicht. Die FATF ruft dazu auf den Scope des Anti Money Laundering auf den Bereich der Umweltkriminalität auszuweiten (zum Überblick). Hier lesen Sie den zweiten Artikel aus der Serie der CURENTIS AG zur Erläuterung des Zusammenhanges zwischen AML und Environmental Crime. Beschrieben wird unter anderem die Nutzung des Vanillehandels zur Geldwäsche.

Die Endprodukte aus illegalem Bergbau und illegalen Rodungen landen oft in reichen Ländern in Form von Schmuck, edlen Möbeln oder als Komponenten anderer Artikel, wie z.B. Smartphones etc. Rohstoffe werden oft über komplexe Netzwerke, bestehend aus einerseits verschiedenen (Transit)Ländern und andererseits aus Schattenfirmen weiterverkauft und von Firmen erworben, die sie über viele Stufen zum Endprodukt weiterverarbeiten. Den Zusammenhang zwischen Geldwäsche und illegalen Goldminen hatten wir in unserem letzten Artikel unserer Serie über AML und Environmental Crime beschrieben (siehe hier).

Illegaler Handel muss dabei nicht zwingend über ein komplexes Netzwerk aus vielen Ländern laufen, sondern im Mittelpunkt steht eine Methode durch die illegal gewonnene hochwertige Rohstoffe transportiert, weiterverarbeitet und mit legalen Produkten vermischt werden können.

Ein Beispiel dafür, wie legale Einkommen mit illegalen vermischt wurden, wurde in Madagaskar aufgedeckt. Vanille ist das Hauptexportprodukt dieses Landes. Gleichzeitig verfügt es über zwei seltene Arten von Palisanderhölzern, welche vom Aussterben bedroht sind. Die Gewinne aus beiden Produkten wurden vermischt, um Gelder zu waschen.

Der Vanillehandel war deshalb besonders anfällig für illegale Aktivitäten und Transaktionen, weil er bargeldintensiv ist, und damit bestens geeignet, Geldflüsse zu vermischen. Im Jahr 2014 haben einzelne Marktteilnehmer Vanille in großen Mengen eingekauft, um die Preise zu manipulieren. Auf diesem Weg sollte verschleiert werden, dass illegale Gewinne aus anderen Rohstoffen in den Vanillehandel eingeflossen sind.

Nach einigen Jahren konnte diese Praxis dennoch aufgedeckt werden. Als im Jahr 2019 ein Exportverbot für Palisanderholz verhängt wurde, stabilisierten sich die Preise im Vanille-Sektor, ein weiteres Indiz dafür, dass diese Praxis zuvor in großem Umfang angewendet worden war.

Madagaskar hat inzwischen im Kampf gegen die Geldwäsche das stärkste Augenmerk daraufgelegt, Geldern aus Umweltdelikten nachzuspüren und die Flüsse von Mitteln aus diesen Quellen trockenzulegen.  Als bedeutender Player auf dem Markt für Tropenholz arbeitet man jetzt eng mit den internationalen Zollbehörden zusammen und ermöglicht es diesen, schnell umfassend auf die relevanten Informationen zugreifen zu können.

Auch in anderen Ländern ist der Umweltschutz in den letzten Jahren stärker in den Fokus gerückt. Auch für die Endverbraucher wird er zunehmend ein wichtiges Entscheidungskriterium. Nichtsdestotrotz steigen weltweit die Umsätze mit illegal erworbenen Rohstoffen immer noch. Eine Studie aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass der Wert von illegal abgebautem Gold in Peru gestiegen ist von Mio. USD 84 im Jahr 2005 auf rund Mio. USD 1.7 pro Jahr zwischen 2012 und 2015. Inzwischen steigt der Druck auf Verbraucher und Zwischenhändler, in der Zukunft sensibler damit umzugehen, woher gewonnene Materiale z.B. Schmuckstücke oder das Holz für edle Möbel stammen. Banken werden vor diesem Hintergrund durch die FAFT aufgefordert, diese Aspekte mehr in ihre AML-Prozesse aufzunehmen.

Quelle: „Money Laundering from Environmental Crime“ (Juli 2021)

Zum Autor: Karl Eugen Reis ist seit 2021 Consultant der CURENTIS AG und verfügt über umfangreiche Projekterfahrung im Bereich Financial Services und Anti Financial Crime. Neben diesen Tätigkeiten hat er als Assistent an einer Reihe von Projekten in der Wirtschaftsprüfung teilgenommen unter anderem bei einem Asset Quality Review (AQR) zur Vorbereitung des Bankenstresstest der Europäischen Zentralbank.