Meldeaufkommen weiter gestiegen: FIU veröffentlicht Jahresbericht 2020

19. Oktober 2021

Die Financial Intelligence Unit (FIU) hat am 19. August ihren Jahresbericht 2020 veröffentlicht. Nachfolgend fassen wir die auffälligsten Ergebnisse für Sie zusammen.

Die Financial Intelligence Unit (FIU) ist die nationale Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen und ist somit für die Entgegennahme, Sammlung und Analyse von Verdachtsmeldungen nach dem Geldwäschegesetz (GwG) zuständig. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie sich die Verdachtsmeldungen auf unterschiedliche Verpflichtete aufteilen.

Tabelle 1: Anzahl der Verdachtsmeldungen nach Verpflichtetengruppen (Quelle: Jahresbericht 2020, FIU)

Eines der Hauptbefunde war der fortlaufende Anstieg von eingehenden Verdachtsmeldungen. Während bereits im Jahr 2019 ein massiver Anstieg von rund 49 % zusätzlichen Verdachtsmeldungen verzeichnet werden konnte, setzte sich der Trend eines steigenden Meldeaufkommen auch im vergangenen Jahr fort. Mit einer absoluten Zahl von insgesamt 144.005 eingegangenen Verdachtsmeldungen stieg die Zahl der Verdachtsmeldungen im Jahr 2020 um rund 25 % im Vergleich zum Vorjahr (2019: 114.914).

Dieser Anstieg kann zum großen Teil durch die COVID-19-Pandemie und den damit einhergehenden neuen Modi Operandi der Geldwäsche begründet werden, so die FIU. Dennoch ist auch ohne die Berücksichtigung der Meldungen mit Bezug zur Pandemie ein Zuwachs von eingehenden Verdachtsmeldungen zu verzeichnen.

Das Meldeaufkommen wird hierbei bekanntermaßen differenziert nach Verpflichtetengruppen, welche in den Finanzsektor und den Nichtfinanzsektor unterteilt werden. Auch in diesem Berichtsjahr stammte mit rund 97 % die große Mehrheit der Verdachtsmeldungen aus dem Finanzsektor, wobei wie auch in den Vorjahren der größte Teil der Meldungen von Kreditinstituten eingereicht worden ist.

Insgesamt ist ein Anstieg von rund 25 % des Meldeaufkommens im Finanzsektor zu verzeichnen. Im Nichtfinanzsektor kam es erneut zu einem überproportionalen Anstieg von etwa 90 % im Vergleich zum Vorjahr (2019: Anstieg von 150 %).

Dieser kann vor allem durch den massiven Anstieg an Verdachtsmeldungen von Notaren und Immobilienmaklern begründet werden. Mit einer absoluten Zahl von 1.629 von Notaren eingereichten Verdachtsmeldungen stieg die Anzahl um mehr als 940 % im Vergleich zum Vorjahr (2019: 17). Dies kann insbesondere mit dem Inkrafttreten der Verordnung zu den nach dem Geldwäschegesetz meldepflichtigen Sachverhalten im Immobilienbereich erklärt werden.

Während der überproportionale Anstieg des Meldeaufkommens im Nichtfinanzsektor im Jahr 2019 überwiegend aus dem Glücksspielsektor stammte, war im Berichtsjahr 2020 eine deutliche Abnahme von Meldungen in diesem Bereich zu beobachten. Hier ist ein klarer Zusammenhang mit den pandemiebedingten Schließungen der Glückspiellokale zu erkennen.

Des Weiteren legt der Jahresbericht der FIU eine im Vergleich des Gesamtmeldeaufkommen überproportionale Steigerung der Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit Kryptowerten offen. Die Anzahl der Verdachtsmeldungen hat sich mit insgesamt 2.050 eingehenden Meldungen zum vorherigen Jahr mehr als verdoppelt (2019: rund 760). Laut der FIU steht ein großer Teil der Meldungen in Verbindung mit Betrugsdelikten.

Außerdem hebt der Jahresbericht die Aufdeckung von Corona-Soforthilfebetrugsfällen mit Unterstützung der FIU hervor. Von Mitte März bis Ende Dezember 2020 gingen insgesamt rund 11.200 Verdachtsmeldungen, welche im Zusammenhang mit COVID-19 standen, bei der FIU ein. Mit rund 9.500 Meldungen konnte die Mehrheit der Meldungen auf betrügerische Erlangungen der Corona-Soforthilfen zurückgeführt werden. Durch zielgerichtete Analysen seitens der FIU sowie die Übermittlung der Analysergebnisse an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden hat eine Aufdeckung von zahlreichen Betrugsfällen erfolgreich stattgefunden. Mit durch Analysen kontinuierlich weitergewonnen Erkenntnissen unterstützte die FIU die Verpflichtetengruppen bei der Identifizierung von möglichen Betrugsfällen im Zusammenhang mit dem Thema COVID-19.

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