MREL mit CRR-II

Die 2014 eingeführte MREL-Verordnung (Minimum Requirements for own funds and Eligible Liabilities) wird durch die CRRII überarbeitet und erweitert. Nachfolgend beschreiben wir die wichtigsten Änderungen.

Durch die CRRII werden Maßnahmen zur Beteiligung von Gläubigern an den Kosten einer Bankenrettung in verbindliches EU-Recht überführt. Auf internationaler Ebene ist seit 2019 die Kennzahl TLAC (Total Loss Absorbing Capacity) in Kraft und bildet die Grundlage für die Vorgaben der EU zu MREL. Im Wesentlichen unterscheiden sich die Anforderungen beider Kennzahlen in der Festlegung bzw. Bestimmung der Mindestquote. Während TLAC eine feste Mindestvorgabe für die global systemrelevanten Institute darstellt, wird die MREL-Quote institutsindividuell von der Abwicklungsbehörde, auf Basis des jeweiligen Abwicklungsplans, für alle EU-Banken festgelegt. Um beide Standards in Einklang zu bringen, wurde mit dem Bankenpaket die institutsindividuelle MREL-Quote für die global systemrelevanten Institute mit einer Mindestquote (auf Basis der TLAC-Anforde­rungen) ersetzt. Somit steigt der Gesamtbedarf des Eigenkapitals ab Inkrafttreten des Bankenpakets. Ab dem Jahr 2022 muss eine Quote von mindestens 18% der risikogewichteten Aktiva (RWA) und 6,75% des Leverage Ratio Exposures (LRE) eingehalten werden. Die Kreditinstitute müssen dabei beide Messgrößen parallel einhalten. Diese Vorgaben gelten auch für EU-Töchter von außereuropäischen global systemrelevanten Instituten und müssen mindestens 90% der genannten Mindestanforderungen erfüllen.

Darüber hinaus hat der europäische Gesetzgeber den Kreis der Banken, die eine Mindest-MREL-Quote halten müssen, um die „Top Tier Banken“ (Bilanzsumme > 100 Mrd. Euro) erweitert, die ab 2022 eine MREL-Quote von 13,5% der RWA und 5% des LREs einhalten müssen.  Auch können Banken mit einer Bilanzsumme unter 100 Mrd. Euro  von der nationalen Aufsicht zur Einhaltung der Mindest-MREL-Quote aufgefordert werden, sofern die Abwicklung der Bank ein systemisches Risiko darstellt.

Das Hauptmerkmal liegt allerdings darin, dass alle systemrelevanten Institute die Mindestanforderungen grundsätzlich immer mit nachrangigem Kapital erfüllen müssen. Die hierzu gehörige Gläubigerbeteiligung und deren Anrechenbarkeit wird in der Verordnung über den einheitlichen Abwicklungsmechanismus (EU) Nr. 806/2014 bzw. national im Sanierungs- und Abwick­lungsgesetzes festgehalten und bestimmt die Abwicklung der herabschreibungs- und umwandlungsfähigen Instrumente und deren Rangfolge.

Des Weiteren müssen die Kreditinstitute ab 2024 die Total Liabilities and Own Funds Quote (TLOF-Quote) erfüllen. Die Banken müssen hierfür weitere 8% der Gesamtverbindlich­keiten mit Bail-in Kapital zur Verlustabsorption und Rekapitalisierung abdecken. Diese Maßnahme dient zur Grundvoraus­setzung für die Nutzung des europäischen Abwicklungsfonds bei einer möglichen Schieflage eines Instituts. Für alle anderen Institute wird mangels Ihrer Vernetzung ein reguläres Insolvenzverfahren vorgesehen und sie erhalten von der Abwicklungsbehörde eine institutsindividuelle MREL-Quote mit nachrangigem Eigenkapital.

Bei Nichteinhaltung der MREL-Mindestquote tritt eine aufsichtsrechtliche Aus­schüttungssperre für Dividendenzahlungen, Aktienrückkäufe oder Bonuszahlungen an Mitarbeiter in Kraft.

Die Aufsicht fordert eine halbjährliche Meldung des MREL-Kapitals sowie ein jährliches Repor­ting für die Zusammensetzung, den Insolvenzrang und die Fälligkeiten der Bail-in-fähigen Verbindlichkeiten. Der technische Durchführungsstandards wird derzeit von der Europäischen Bankenaufsicht entworfen und soll bis zum 28. Juni 2020 finalisiert werden.

Die vorgestellten Neuerungen zielen darauf ab, die grundsätzliche Wirkungsweise von aufsichtsrechtlichen Neuerungen zu bewerten und beansprucht nicht den vollständigen Umfang des Bankenpakets.  Sollten Sie weiteren Informationen bzw. maßgeschneiderte Lösungsansätze für Ihr Insti­tut benötigen, können Sie uns jederzeit kontaktieren.

Zum Autor: Atilla Hizal ist seit 2018 Meldewesen Consultant der CURENTIS AG und verfügt über um­fangreiche Projekterfahrung aus Großbanken und hat sich auf die Auswirkungen von MREL und TLAC spezialisiert.