Nachhaltigkeit in Banken

Teil 6: Nachhaltigkeitsbenchmarks

In Teil 6 unserer Nachhaltigkeitsreihe stellen wir die neuen klimabezogenen Benchmarks vor. Neben der EU-Taxonomie und den Offenlegungsanforderungen, stellen diese eine der drei Hauptpfeiler der europäischen Nachhaltigkeitsbestrebungen im Finanzwesen dar.

„CO2-arme“ Benchmarks

Immer mehr Anleger verfolgen mit ihren Investitionen CO2-arme Strategien. Dabei verwenden sie sie entsprechende Referenzwerte zur Messung der Wertentwicklung ihrer Portfolios. Verschiedene Arten von CO2-arme Indizes verfolgen dabei unterschiedliche Ziele, von der Verringerung des CO2-Fußabdrucks eines Standardportfolios bis zur exklusiven Auswahl von Werten, die dazu beitragen, das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Häufig werden diese Referenzwerte undifferenziert als „CO2-arm“ vermarktet. Unterschiedliche Ansätze bei der Referenzwert-Methode führen zu einer Fragmentierung des Marktes und verringerter Transparenz. Beides Faktoren, die der Entwicklung eines nachhaltigen Finanzsystems entgegenstehen und der EU-Aktionsplan bekämpfen soll.

EU-Referenzwerte-Verordnung

Am 25. Februar 2019 wurde die Änderung der sog. EU-Referenzwerte-VO (Verordnung (EU) 2016/1011) vom 8. Juni 2016 verabschiedet. Von der EU-Referenzwerte-VO sind alle Finanzmarktakteure, mit Ausnahme der Zentralbanken und Behörden, betroffen. Mit der EU-Referenzwerte-VO werden für unterschiedliche Arten von Referenzwerten einheitliche Vorschriften festgelegt. Sie gilt für alle Indizes, die bei Finanzinstrumenten und -kontrakten als Referenzwert verwendet werden und zu deren Berechnung eine Formel oder eine andere bestimmte Berechnungsmethode notwendig ist. Die Anpassung der bestehenden Verordnung sah vor, zwei neue Arten von klimabezogenen Benchmarks und ESG-Offenlegungspflichten für alle Benchmarks einzuführen.

Zwei Klimabenchmarks

Im Dezember 2019 wurden neben der Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor („OffenlegungsVO“) auch die Verordnung zu EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel, in Paris abgestimmter EU-Referenzwerte sowie nachhaltigkeitsbezogener Offenlegungen für Referenzwerte (Verordnung (EU) 2019/2089 zur Änderung der o.g. Verordnung (EU) 2016/1011) im Amtsblatt der EU-Kommission veröffentlicht. Ziel der Verordnung ist es, Mindeststandards für zwei verschiedene Klima-Benchmarks zu implementieren, um Greenwashing zu bekämpfen sowie Transparenz und Vergleichbarkeit zu erhöhen.

Im Fokus der Verordnung steht dabei die Einführung (und klare Unterscheidung) von Mindeststandards für einen:

  1. EU-Referenzwert für den klimabedingten Wandel“ und
  2. Paris-abgestimmter EU-Referenzwert“, wobei

durch die Verwendung dieser Referenzwerte andere ESG-Ziele nicht wesentlich beeinträchtigt werden dürfen.

Der EU-Referenzwert für den klimabedingten Wandel ist ein Index, dessen zugrundeliegenden Vermögenswerte dahingehend ausgewählt, gewichtet oder ausgeschlossen werden, damit das entsprechende Portfolio sich tatsächlich auf dem „Dekarbonisierungspfad“ befindet. Anbieter dieser Referenzwerte müssen bis zum 31. Dezember 2022 die zugrundeliegenden Vermögenswerte nach folgenden Kriterien auswählen:

  • die Unternehmen legen messbare Ziele zur Verringerung ihrer CO2-Emissionen offen, die innerhalb bestimmter Fristen umzusetzen sind,
  • die Unternehmen legen Daten zur Reduzierung der CO2-Emissionen offen, die bis auf die Ebene maßgeblicher operativer Tochtergesellschaften aufgeschlüsselt sind,
  • die Unternehmen legen jährlich Berichte zum Fortschritt der Zielerreichung vor,
  • die Tätigkeiten der zugrunde liegenden Vermögenswerte beeinträchtigen nicht wesentlich andere ESG-Ziele.

Der zweite Referenzwert stellt einen Index dar, dessen zugrundeliegenden Titel dahingehend ausgewählt werden, dass die CO2-Emissionen des darauf resultierenden Referenzportfolios auf die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens ausgerichtet sind und andere ESG-Ziele nicht wesentlich beeinträchtigt werden.

Pflichten der Administratoren

Für Administratoren von Referenzwerten oder Referenzwertfamilien ergeben sich seit dem 30. April 2020 verschiedene Pflichten. Nur Administratoren, die die Anforderungen der Verordnung (EU) 2019/2089 erfüllen, dürfen diese Bezeichnungen bei der Vermarktung dieser beiden Referenzwerte verwenden. Um die Unternehmen dazu zu motivieren, realistische Ziele zur Verringerung ihrer CO2-Emission zu verfolgen und offenzulegen, sind die Administratoren angehalten, bei der Auswahl und Gewichtung ihrer Referenzwerte nur Unternehmen zu berücksichtigen, die ihre CO2-Emissionen entsprechend des Pariser Klimaschutzabkommens reduzieren und entsprechend offenlegen. Die Administratoren müssen in ihrer Referenzwert-Erklärung angeben, ob ihre Referenzwerte oder Referenzwertfamilien ESG-Ziele verfolgen oder ob sie entsprechende Referenzwerte anbieten. Die für die Berechnung der Referenzwerte verwendete Methode ist zu veröffentlichen. Diese sollte auf wissenschaftlichen Dekarbonisierungspfaden basieren oder auf die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens abzielen. Die Methoden sind regelmäßig zu überprüfen und bei wesentlichen Änderungen die Nutzer der Referenzwerte zu informieren. Referenzwerte, deren Basiswerte keine Auswirkungen auf den Klimawandel haben, wie Zins- und Wechselkursreferenzwerte, sind von der Verordnung ausgenommen.

In der EU ansässige Anbieter signifikanter Referenzwerte sollen sich bis zum 1. Januar 2022 bemühen, einen oder mehrere EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel bereitzustellen.

CURENTIS beschreibt das Thema Nachhaltigkeit in Banken aktuell in den nachfolgenden Beiträgen:

Zum Autor: Matthias Hadinek ist seit 2020 Senior Consultant der CURENTIS AG. Er verfügt über mehrjährige Erfahrungen aus der Projektarbeit in der prüfungsnahen Beratung mit dem Schwerpunkt auf kreditnahen Themen und Aufsichtsrecht. Darüber hinaus hat er sich auf Sustainable/ Green Finance spezialisiert.