Nachhaltigkeitsrisiken: EBA veröffentlicht Bericht zum Management und Aufsicht von ESG-Risiken

08. Juli 2021

Ende Juni 2021 hat die European Banking Authority (kurz: EBA) einen weiteren Bericht zum Umgang mit nachhaltigkeitsbezogenen Risiken veröffentlicht, der sich nahtlos in die allgemeinen Nachhaltigkeitsbestrebungen der EBA, aber auch in die Capital Requirements Regulation (kurz: CRR), die Taxonomie-Verordnung und Offenlegungs-Verordnung einordnet. Die EBA zeigt auf, wie Nachhaltigkeitsfaktoren und -risiken in den regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Rahmen für Kreditinstitute und Investmentfirmen integriert werden können bzw. sollten.

Der Fokus dieses Berichts liegt dabei auf der Widerstandskraft der Institute ggü. potenziellen finanziellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken über verschiedene Zeithorizonte hinweg. Die Vorschläge der EBA lassen sich dabei im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen:

  • Aufgrund der potenziellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsfaktoren auf die finanziellen Risiken von Instituten, zeigt die EBA mögliche Indikatoren, Metriken und Bewertungsmethoden auf, die für ein effektives Risikomanagement erforderlich sind.
  • Die EBA gibt den Instituten Empfehlungen zur Berücksichtigung von ESG-Risiken in ihren jeweiligen Unternehmensstrategien und -zielen sowie Governance-Strukturen und wie sie diese nachhaltigkeitsbezogenen Risiken als Treiber von finanziellen Risiken in ihrem Risikoappetit und internen Prozessen berücksichtigen können. Darüber hinaus wird empfohlen, Methodologien und Ansätze zur Überprüfung der langfristigen Widerstandsfähigkeit des Instituts ggü. ESG-Faktoren und -Risiken zu entwickeln.
  • Um den aufsichtsrechtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process; kurz: SREP) weiter zu verbessern, sieht die EBA es als notwendig an, den Zeithorizont für die aufsichtliche Bewertung der Widerstandsfähigkeit der Geschäftsmodelle von Instituten auf mindestens zehn Jahre zu erhöhen, um die Auswirkungen von physischen Risiken sowie öffentlichen (politischen) und transitorischen Maßnahmen adäquat erfassen zu können. Hierbei schlägt die EBA einen schrittweisen Ansatz (Phase-in Approach) vor, beginnend mit der Einbeziehung klima- und umweltbezogener Faktoren und Risiken in die aufsichtliche Analyse von Geschäftsmodellen und Governanceansätzen.

Im Laufe des Jahres will die EBA noch Offenlegungsanforderungen zu ESG-Risiken, Transitionsrisiken und physischen Risiken entsprechend Säule 3 (aufsichtliche Offenlegungspflichten zur Stärkung der Marktdisziplin im Rahmen von Basel II), veröffentlichen.

Es zeigt sich, dass die europäische Bankenaufsicht nach wie vor mit großen Schritten voran geht, um die Banken, aber auch sich selbst, für den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken zu wappnen. Die ausgesprochenen Empfehlungen geben dabei den Instituten dringend erforderliche Orientierungshilfen an die Hand. Gleichzeitig besteht die Erwartungshaltung an die Banken, diese zeitnah institutsindividuell umzusetzen. Der Aufwand für die Banken bleibt somit hoch.

Zum Autor: Matthias Hadinek ist seit 2020 Senior Consultant der CURENTIS AG. Er verfügt über mehrjährige Erfahrungen aus der Projektarbeit in der prüfungsnahen Beratung mit dem Schwerpunkt auf kreditnahen Themen und Aufsichtsrecht. Darüber hinaus hat er sich auf Sustainable/ Green Finance spezialisiert.