Neue Regelungen im Marktrisiko durch CRR II

Im fünften Teil unserer Serie über die CRR II Neuerungen berichten wir über neue Regelungen im Marktrisiko. Die Anforderungen zur Ermittlung des Marktpreisrisiko, die über Jahre unter dem Kürzel FRTB (Fundamental Review oft he Trading Book) auf internationaler und nationaler Ebene konsultiert wurden, werden durch die CRR II wesentlich überarbeitet.

Die Allokation von Finanzgeschäften zum regulatorischen Anlage- und Handelsbuch wurde grundsätzlich nicht geändert, allerdings um konkrete Vorgaben ergänzt. Bestimmte Positionen, die bisher dem aufsichtsrechtlichen Anlagebuch zugeordnet waren, werden zukünftig dem Handelsbuch zugeordnet. Dazu wird beispielsweise jedem Geschäft eine Handelsabsicht unterstellt, wenn dieses handelsrechtlich im Markt bewertet werden, eine tägliche Bewertung ausgeführt oder der Wert täglich durchgeschaut werden kann. Abweichungen von der regulatorischen Behandlung solcher Geschäfte sind nur noch mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde zulässig.

Durch die CRR II kommt es zukünftig zu einer Erweiterung der Schwellenwerte zur Definition eines Handelsbuchsinstitutes und zur Einführung eines neuen Standardansatzes (A-SA) zur Berechnung des Marktrisikos.

Institute mit Handelsbuchtätigkeiten mit geringem Umfang, deren bilanzielle und außerbilanzielle Handelsbuchgeschäfte nicht mehr als 5 % der Gesamtaktiva und nicht mehr als 50 Millionen Euro betragen, unterliegen keinen zusätzlichen Eigenkapitalanforderungen und können weiterhin das Risiko mit den Kreditrisikosätzen ermitteln. Wenn ein Institut Handelsbuchgeschäfte von mittlerem Umfang tätig, die maximal 10 % der Gesamtaktiva und nicht mehr als 500 Millionen Euro betragen, wird es von den besonderen Meldepflichten für das Marktrisiko befreit und kann weiter den bestehenden Ansatz nutzen. Darüber hinaus hat das Institut die Möglichkeit die neu eingeführte sensitivitätsbasierte Methode (SBM) zu nutzen. Da ein Institut mit mittleren Handelsbuchaktivitäten keine Verpflichtung zur neuen Methode hat, multipliziert es den Standardsatz mit dem Faktor 65%. Alle anderen Institute, die Handelsbuchtätigkeiten von hohem Umfang haben, also über 10% der Gesamtaktiva und über 500 Millionen EUR, sind verpflichtet, die neueingeführte sensitivitätsbasierte Methode zu nutzen.

Die drei Bausteine des neuen Standardansatzes (A-SA)

  • Die neue sensitivitätsbasierte Methode für alle Marktrisiko-behafteten Positionen
  • Die Eigenmittelanforderungen für das Ausfallrisiko von Handelsbuchpositionen
  • Die Eigenmittelanforderungen für das Residualrisiko von Handelsbuchpositionen

Die sensitivitätsbasierte Methode (SBM)

Die sensitivitätsbasierte Methode ermittelt das Marktrisiko von seinen Positionen anhand der Sensitivität des Preises einer Position gegenüber einer schrittweisen Änderung im Wert der zugrunde liegenden Risikofaktoren. Ein Beispiel wäre die Reaktion des Preises einer in Fremdwährung angelegten Position auf Änderungen des entsprechenden Wechselkurses. Für die Ermittlung der Höhe der Preisänderung nutzen Institute interne Modelle zur Preisfindung, wie es beispielweise bei der Ermittlung der GuV-wirksamen Bewertung der Positionen angewendet wird. Neben dieser linearen Abhängigkeit des Preises vom Wert der zugrunde liegenden Risikofaktoren (Delta-Risk) sind auch die Auswirkungen einer Änderung in der Volatilität (Vega-Risk) und die Auswirkung einer Änderung des Deltas (Curvature-Risk) zu ermitteln. Vega-Risk und Curvature-Risk sind allerdings nur für Produkte mit eingebauten Optionalitäten relevant.

Das Ausfallrisiko von Handelsbuchpositionen

Ein plötzlicher Ausfall des Emittenten („jump-to-default“) bei ausfallrisikobehaften Geschäften im Handelsbuch wird unterstellt, um die zusätzlichen Eigenmittelanforderungen für das Ausfallrisiko zu ermitteln. Die Höhe der Kapitalanforderungen berechnet sich dann in Abhängigkeit von einer vorgegebenen Verlustquote bei Ausfall (LGD), sowie unter Berücksichtigung einer eingeschränkten Verrechnung von Verkaufs- und Kaufpositionen je Adresse.

Das Residualrisiko von Handelsbuchpositionen

Residualrisiken sind exotischen Risiken, wie beispielsweise das Wetter oder die Langlebigkeit, von Handelsbuchpositionen, die nicht mittels der Sensitivitätsbasierten Methode abgebildet werden können, weil sie nicht den dort betrachteten Risikoklassen zugeordnet werden können. Darüber hinaus unterliegen auch Positionen dem Residualrisiko, die zwar mit der Sensitivitätsbasierten Methode berechnet werden können, aber über die dort berücksichtigen Risikoarten hinaus noch weitere Risiken unterliegen.

Auch im Bereich des Interne Modelle Ansatz (IMN) führt die CRR II wesentliche
Änderungen herbei.

  • Der Value-at-Risk Ansatz wird durch das Expected Shortfall (ES) Modell Das ES Modell wird zusätzlich Liquiditätshorizonte betrachten. Während der Value-at-Risk Ansatz nur auf Basis von 10 Tagen berechnet wurde, wird es im ES Modell für gewisse Risikofaktoren einen Liquiditätshorizont von bis zu 120 Tagen geben. Zudem ändert sich das Konfidenzniveau 99% auf 97,5% im ES Modell.
  • Anmeldungen zur Verwendung von internen Modellen erfolgt in Zukunft nicht mehr nach Risikokategorien, sondern nach einzelnen Handelstischen. Um die Zulassungen für die Verwendung von internen Modellen zu erhalten, muss das Institut eine sowohl qualitative wie eine klar definierte Geschäftsstrategie und Organisation, als auch quantitative Anforderungen, wie Backtesting und P&L Attribution Tests, erfüllen.
  • Incremental Risk Change (IRC) wird von Default Risk Change (DRC) ersetzt. Künftig werden im DRC nur noch Ausfallrisiken berücksichtig. Dies soll eine Doppelbetrachtung der Migrationsrisiken in der Kapitalunterlegen verhindern.
  • Einführung prinzipieller Unterscheidung zwischen modellierbaren und nicht modellierbaren Risikofaktoren. Die Kapitalunterlegung für die modellierbaren Risikofaktoren werden im ES Modell berechnet, während die nicht modellierbaren Risikofaktoren auf Grundlage eines Stressszenarios ermittelt werden.

Die Änderungen werden die Institute vor große Herausforderungen stellen. Bei Rückfragen beraten die Consultants von CURENTIS Sie gerne.

Hier geht es zu den anderen Beiträgen unserer Serie über CRR II Neuerungen:

Zum Autor: René Richter ist seit 2019 Senior Consultant der CURENTIS AG. Er verfügt über langjährige Erfahrungen sowohl aus der Projektarbeit im Meldewesen als auch aus der operativen Meldungserstellung und hat sich auf das Aufsichtsrechtliche Meldewesen spezialisiert.