Sustainable Finance: FATF veröffentlicht Bericht zur Umweltkriminalität

15. Juli 2021

Die Financial Action Task Force (kurz: FATF) hat im Juli 2021 einen Bericht zur Umweltkriminalität veröffentlicht mit dem Ziel, das Bewusstsein für dieses Thema zu stärken und Praktiken für Regierungen und den privaten Sektor darzustellen, um der Umweltkriminalität entgegenzuwirken. Die wesentlichen Ausprägungen der Umweltkriminalität sind Forstkriminalität, illegaler Bergbau und illegaler Abfallhandel. Die FATF ruft dazu auf den Scope des Anti Money Laundering auf, den Bereich der Umweltkriminalität auszuweiten und die von ihr vorgeschlagenen Standards einzuhalten.

Das Thema Sustainable Finance gewinnt in den letzten Monaten und Jahren immer mehr Bedeutung. Dies liegt zum einen an der allgemein steigenden Bedeutung von Nachhaltigkeit und dem öffentlichen Interesse an diesem Themengebiet und zum anderen an den zunehmenden regulatorischen Anforderungen und Empfehlungen, die besonders von der EBA immer weiter ausgebaut und verfeinert werden.

Ein wichtiger Teilbereich aus dem Themenkomplex Sustainable Finance ist die Ergreifung von Maßnahmen gegen Umweltkriminalität sowie der damit einhergehenden Geldwäsche. Dieses Thema wurde von der FATF aufgegriffen und in ihrem umfangreichen Report „Money Laundering from Environmental Crime“ im Juli 2021 dargestellt.

Die Financial Action Task Force ist eine unabhängige internationale Institution mit Sitz in Paris. Sie ist ein führendes Gremium zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Finanzierung von Massenvernichtungswaffen. Die FATF Empfehlungen sind als weltweiter Standard anerkannt und werden durch die Mitgliedsstaaten der OECD überprüft und umgesetzt.

Im vorliegenden Bericht befasst sich die FATF intensiv mit dem Thema der Umweltkriminalität und zielt dabei im Wesentlichen auf zwei Ziele ab. Zum einen soll durch den Report das Bewusstsein für das Ausmaß und die Art der kriminellen Gewinne sowie die Geldwäschetechniken gestärkt werden. Zum anderen werden Best Practice Ansätze für Regierungen und die Privatwirtschaft dargestellt, um der Ausbreitung dieser kriminellen Geschäfte entgegenzuwirken.

Der Begriff Umweltkriminalität umfasst die Gesamtheit der Straftaten gegen Umweltelemente (Boden, Wasser, Luft) oder Umweltfaktoren (z.B. Pflanzen- und Tierwelt). Im vorliegenden Report wird der Schwerpunkt auf die folgenden drei Bereiche gesetzt, die zusammen etwa 66% der Umweltkriminalität ausmachen:

  1. Forestry Crime:
    Hierunter wird forstwirtschaftliche Kriminalität verstanden, einschließlich illegaler Abholzung und Landrodung. Interpol schätzt den daraus generierten Umsatz auf bis zu 51 bis 152 Milliarden US-Dollar jährlich (Stand: 2018).
  1. Illegal Mining:
    Im illegalen Bergbau werden jährlich geschätzte 12 bis 48 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem illegalen Gold- und Diamantenabbau. Zusätzlich zum illegalen Abbau von Rohstoffen an sich, wird dieser Bereich auch für die Geldwäsche aus anderen illegalen Tätigkeiten verwendet.
  1. Waste Trafficking:
    Mit dem illegalen Abfallhandel werden jährlich etwa 10 bis 12 Milliarden US-Doller generiert und gleichzeitig hohe Kosten für eine ordnungsgemäße Abfallentsorgung umgangen. Daraus ergeben sich zum Teil hohe Beseitigungskosten für die Allgemeinheit sowie eine hohe Bedrohung der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit aufgrund von falscher Entsorgung giftiger und umweltschädlicher Stoffe.

Die FATF fordert von der Privatwirtschaft und den Regierungen insgesamt drei übergeordnete Maßnahmen, um diesen illegalen Aktivitäten entgegenzuwirken:

  1. Alle FATF-Mitgliedsstaaten soll prüfen, inwiefern ihre Wirtschaft(szweige) Geldwäsche und Verschleierung von Umweltverbrechen ermöglichen,
  2. Die Ressourcen zur Nachverfolgung und Aufklärung von möglichen kriminellen Handlungen sollen aufgetockt sowie die internationale Kommunikation zu Verdachtsfällen verbessert werdenund
  3. Vollständige Umsetzung des FATF-Standards zur Bekämpfung der Umweltkriminalität.

Insgesamt wird in diesem Bericht sehr deutlich, welches Ausmaß die Umweltkriminalität hat, wie sie in Erscheinung tritt und wie wichtig ein entschlossenes Vorgehen dagegen ist. Für die Finanzindustrie ergibt sich dadurch der klare Auftrag, den Scope des Anti Money Launderings (AML) zu erweitern und Umweltaspekte in den Rechercheprozess zu integrieren.

Quelle: „Money Laundering from Environmental Crime“ (Juli 2021)

Zum Autor: Philipp Ehren ist seit 2021 Senior Consultant der CURENTIS AG. Er verfügt über mehrjährige Erfahrungen aus der Projektarbeit im Risikomanagement mit dem Schwerpunkt auf IT-Anwendungen. Darüber hinaus hat er sich auf Sustainable/Green Finance spezialisiert.